Montag, 16. April 2012

Man muss die Menschen da abholen, wo sie stehen



...heisst es doch allgemeinhin. Nun gut.
Ich persönlich stehe viel am Bahnhof. Da holt mich meist mein Zug ab.

Neulich stand ich wieder nachmittags mit dem lustigen Langohrhund am Bahnsteig. Es war Mittwoch oder Donnerstag, ist ja auch gleichgültig. Der Bahnsteig war mittelmäßig belebt und etwa 10 Meter weiter vorne stand ein Mann mit seinem Hund. Wobei, so richtig stand er nicht. Er schwankte eher vor sich hin. Hin und her gerissen zwischen Gleichgewicht und dem ziehenden Hund an der Leine und seiner Bierflasche. Nebenbei pöbelte er den ein oder anderen Passanten an.

Ich habe mich dezent am Rand gehalten, man will ja als Hundehalter nicht negativ auffallen. Aber des Bierflaschenhalters Hund hatte uns entdeckt und ruckte seinen Besitzer in unsere Richtung.
Der Mann wankte hinterher und sprach die allseits gefürchteten Worte „Meine tut nix“. Ich entgegnete ihm, so höflich wie möglich: „Ja, das ist schön, aber ich möchte Sie doch trotzdem bitten, eine Kontaktaufnahme der Hunde untereinander zu unterbinden.“
Es entwickelte sich ein kurzer Dialog, in dem er mir nochmals versicherte, dass sein Hund „echt nix tue“ und sowieso erst 11 Monate als sei und „die ruhig mal hier schnüffeln könnten“.

Wer mich kennt, kennt auch meinen nahezu zwanghaften Rechtfertigungs- und Erklärwahn. Ich neige zur Ausführlichkeit und hatte schon tief Luft geholt, um den Herrn darauf hinzuweisen, dass ein Bahnsteig ein denkbar ungeeigneter und gefährlicher Ort für Hunde zum spielen sei, dass sie dort unter Umständen andere Wartende belästigen, anstossen oder gar zu Fall bringen könnten, dass ich mir über den Impf-, Versicherungs- und Flohstatus seines Hundes nicht ganz im Klaren sei, dass ich innerartliche Begegnungen zwischen Hunden an der Leine generell als grenzwertig empfinde und die Spielpartner meines Hundes dann doch gerne bewusster aussuche um nachhalte Prägungs- und Sozialisierungsschäden zu vermeiden. Kurzum, mir lagen ausreichend Begründungen auf der Zunge um ganze Hundeerziehungsbücher damit zu füllen.

Doch ehe ich meinen Erguss über den Mann ausladen konnte, fielen mir schlaue Satz wieder ein „Sie müssen die Menschen da abholen, wo sie stehen.“

Anstatt all meine Weisheiten über ihm auszugiessen, schnauzte ich ihm ein unhöfliches, unfreundliches „Ach halt doch dein Maul“ entgegen.
Und siehe da: meine Botschaft hatte den Empfänger genau so erreicht wie gewünscht. Er packte seinen Hund und wankte davon.
Kommunikation kann so einfach sein.

Ich glaub, das mache jetzt häufiger!


Kommentare:

juniwelt hat gesagt…

Gefällt mir :-)

Anonym hat gesagt…

Hahaha,
das kann ich mir so bildlich vorstellen. =D

Wibke & Co

Anonym hat gesagt…

Man sollte sich ja nicht auf das Niveau seines Gegenübers hinablassen, aber manchmal ist es einfach unabwendbar. Gut gemacht :-)
LG Nikki

Anonym hat gesagt…

bravo!!! ja, ich eerleb das auch immer iwder, meiner tut nix und schiesst ohne leine schon auf uns zu....ja schön,..das denk ich auch immer...aber wenn die 2 sich net riechen können bin ich (trotz hund an der leine) meist die ärschin--sorry-- weil ich einen sogenannten kampfhund habe...genmauer gesagt einen "kampfschlecker!:-)) a la saffirds.) ---so viel der tut nix...jaja...meine ist vor gut 3 wochen von einem mischlingshund ins gesicht gebissen worden, vor 4 jahren auch schon mal...wir kontakten auch nur noch wenn "WIR" wollen und vor allem nur noch kleine hunde...meine süsse ist nun 15,5!! jahre jung und ich will nicht mehr das sie gebissen wird...jaja..immer diese süssen mischlingshunde....hab nix gegen die, aber gewisse regeln sollten klar pür alle sein!!--eine hundebesitzerin die dich voll versteht!!

lg sendet dir die sonnengewand^^v^^
http//iradas-klangoase.at

Anonym hat gesagt…

...und immer diese fiesen tippfehler..hihihi
lg die sonnengewand^^v^^

Peter Thiersch hat gesagt…

@ "hin und wieder schreibe ich .."

warum .. so lange nix mehr geschieben ?

salut
PeT

www.latal.de